Gedicht: Der Dorfbrunnen
Der Dorfbrunnen
Hier im Dorf, ganz nah beim Pranger
Steht ein Brunnen auf dem Anger
Mit Vermerk, dass drin kein trinkbars Wasser sei
- Doch im Ernstfall wär mir das wohl einerlei
Neulich stand ich dort in Träumen
Sah vergnügt das Wasser schäumen
Der Klabautermann hat ans Gestein geklopft
- Und ganz plötzlich war der Abfluss wie verstopft
Übern Rand verquillt das Wasser
Und der Platz wird nass und nasser
Und benetzt auch meine Füße, wo ich steh
- Nur Minuten, und der Dorfplatz wird zum See
Vorne balzen Kolbenenten
Rechts ertrinken Präsidenten
Links verschlingt ein Haifisch einen Feldmarschall
- Und die Frösche quaken fröhlich überall
Und das Pfarrhaus liegt in Scherben
Doch der Pfarrer will nicht sterben
Den Professor treibt’s im Schlauchboot kreuz und quer
- Denn das Rudern freilich ist ihm viel zu schwer
Nur der ach so dumme Bauer
Der betrachtet es genauer
Und schon fingert er in diesem kühlen Brei
- In Sekunden ist der Abfluss wieder frei
Er nimmt Heringe und Scharben
Welche beim Vertrocknen starben
Algen, Hummer und Langusten und den Rest
- Und er lädt die Überlebenden zum Fest
